Seit 10 Jahren trockener Alkoholiker und Mitglied des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe Begegnung Jena e.V..
Meinen ersten Kontakt zum Alkohol hatte ich in meinen 20ern. Zu diesem Zeitpunkt war mein Konsumverhalten aber noch nicht problematisch.
Das exzessive Trinken fing erst 20 Jahre später an, nachdem ich arbeitslos geworden bin. Weil ich so viel trank, verließen mich meine damalige Lebensgefährtin und die Kinder. Von da an trank ich noch mehr. Mein Tag bestand dann nur noch daraus, mich mit einer festen Gruppe von 10-15 Personen zu treffen, um zu trinken. Ich trank immer das harte Zeug, also Schnaps und nie Bier. Zu dieser Zeit fühlte ich mich sehr alleine. Ohne die Hilfe von Außen hätte ich es nie geschafft aufzuhören.
Ich habe 2008 während eines Aufenthalts auf der Entzugsstation von dem Angebot der Tagesstätte erfahren. Ich brauchte eine neue Tagesstruktur für mein Leben ohne Alkohol. Deswegen bin ich dann in die Tagesstätte des Vereins gegangen. In der Zeit war ich auch in verschiedenen Selbsthilfegruppen und hatte auch Einzelgespräche bei einer Suchtberatung. Das alles war sehr wichtig für mich und hat mir sehr geholfen. Ich hatte damals aber relativ konstant, aller 2 Monate, einen Rückfall und habe alleine zu Hause zur Flasche gegriffen.
Mit den Mitarbeitern des Vereins habe ich dann über meine Möglichkeiten gesprochen, wie es weiter gehen kann und bin zu einer Langzeittherapie mit Adaption (zur Stabilisierung der Abstinenz).
Danach wollte ich wieder in meinem Beruf arbeiten, doch das klappte leider nicht. So bin also wieder in die Tagesstätte und war im Verlauf mehrerer Jahre, in größeren Abständen, immer wieder rückfällig. In den Gesprächen wurde eine nochmalige Therapie angeregt, um im Anschluss wieder in die Tagesstätte zu gehen.
Nach dieser Therapie hatte ich noch einen Rückfall. Da habe ich eine Woche so exzessiv getrunken, dass es mir wirklich richtig schlecht ging. Seit dem habe ich nie wieder getrunken.
Das sind jetzt schon über 10 Jahre. Aber warum es bei diesem Mal anders war und ich es geschafft habe nicht wieder rückfällig zu werden, kann ich nicht genau sagen. Ich bin einfach froh, dass es so ist. Nach dem Entzug habe ich mit meiner alten Gruppe den Kontakt abgebrochen und bin kein einziges Mal mehr bei den Treffen erschienen. Das war ein sehr großer Schritt für mich und hat sehr geholfen. Ich habe mir neue Freunde in der Tagesstätte gesucht, oder auch alte Freunde dort wieder getroffen, die auch, wie ich, gegen ihre Abhängigkeit gekämpft haben. Außerdem bin ich immer an Feiertagen, an denen ich mich besonders einsam gefühlt habe, auf Station in die Klinik gegangen, um einem Rückfall vorzubeugen.
Um mehr Sicherheit und Stabilität zu bekommen, wurde ich Mitglied im Verein. Seit dem ich rückfallfrei bin, gehe ich regelmäßig auch ins Kontaktcafé. Ich helfe dort unter anderem, die Räumlichkeiten zu reinigen. In den Sommermonaten bin ich für den Garten der Tagesstätte zuständig. Hier bauen wir Gemüse an, welches wir bei der Zubereitung unserer Mahlzeiten in der Tagesstätte verwerten. An den Wochenenden und über die Feiertage bin ich ehrenamtlich als Ansprechpartner in der offenen Begegnungsstätte tätig. Die Begegnungsstätte bietet ein offenes „trockenes“ Angebot zur Begegnung, zu Gesprächen sowie zur Freizeitgestaltung mit Skat, Billard, Tischtennis uvm..
Ich engagiere mich gern im Verein, damit Menschen, denen es wie mir geht, auch in den Phasen, in denen keine sozialen Einrichtungen offen sind, eine Anlaufstelle haben, wenn es ihnen nicht gut geht. Diese Arbeit im Verein gibt mir einen positiven Sinn und lenkt mich zudem auch selbst in solchen Phasen ab. Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, die ich zu der Zeit vom Verein bekommen habe, als ich noch trank. Der Verein hat mich nie fallen gelassen und hat immer an mich geglaubt.
