Damals hattest du einen Vollzeitjob und heute hältst du Vorträge und bist ehrenamtlich innerhalb des Vereins „Hilfe zur Selbsthilfe“ tätig, was genau sind deine Aufgabengebiete?
Als ich vor acht Jahren in die Tagesstätte für suchtkranke Menschen des Vereins gekommen bin, war ich bereits seit einem Jahr trocken. In der Tagesstätte habe ich Struktur erfahren, die ich dringend gebraucht habe. Seitdem übernehme ich dort viele verschiedene Aufgaben. Ich bin z.B. der Hauptverantwortliche für unseren Garten. Aber auch haushälterische und handwerkliche Aufgaben gehören dazu. Da ich gut mit Menschen ins Gespräch komme, helfe ich auch alle zwei Wochen beim Brunch in unserem Kontaktcafé. Das ist eine Aufgabe, die mir sehr viel Freude macht. Außerdem halte ich Vorträge über meinen Weg aus der Alkoholsucht auf der psychiatrischen Station für Suchterkrankungen. Dort stelle ich auch gleichzeitig unseren Verein vor.
Wann war klar, dass der Alkohol dein Leben dominiert?
Während meiner Ehe fing ich bereits an, mir ein regelmäßiges Feierabendbier zu gönnen. Ich trank nie mehr als drei Bier und am Wochenende gar nicht. Dies steigerte sich aber allmählich auf fünf bis sieben Bier am Abend.
Dann gab es einen Schicksalsschlag nach dem anderen. Ich war ca. 40 Jahre alt als meine Frau und ich uns scheiden ließen. Kurz danach starben meine Mutter und auch mein Vater. Das alles habe ich in der kurzen Zeit seelisch nicht verarbeiten können. Mein Alkoholkonsum stieg rapide an. Ich trank schnell mal 20 Bier und etwa 1,5 Flaschen Schnaps am Tag. Als ich dann sturzbetrunken die Treppen hinunter fiel und in ein künstliches Koma versetzt werden musste, war mir klar, es muss sich etwas ändern.
Wie ist dir die Abstinenz gelungen?
Nachdem ich aus dem Koma erwacht war und nicht wusste, was geschehen war, kam eine Ärztin an mein Bett und berichtete mir von meinen Befunden. Es stellte sich heraus, dass ich verschiedene schwerwiegendere Erkrankungen hatte. Diese waren u. a. durch meinen früheren Beruf als Metzger bedingt und durch den Alkohol verschlimmert wurden. Ich war praktisch arbeitsunfähig.
Noch im Krankenhaus beschloss ich mein Leben zu ändern. Ich wollte gesund werden und entgiften. D. h. ich wollte im ersten Schritt meine körperliche Abhängigkeit vom Alkohol überwinden und danach meine psychische Abhängigkeit. Hierfür habe ich an einer Langzeittherapie teilgenommen, deren Klinik weit weg von meinem Wohnort war, sodass ich durch meine damaligen Freunde und Bekannte nicht wieder in Versuchung geführt werden konnte.
Danach habe ich freiwillig weitere Angebote, bei der Suchtberatung in Anspruch genommen bis ich dann letztendlich im Verein „Hilfe zur Selbsthilfe“ in Jena gelandet bin. Dort habe ich mich neben dem Besuch der Tagesstätte, auch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen, welche mir viel Halt gegeben hat.
In diesem Verein bin ich bis heute und bin dankbar, dass ich hier Unterstützung und ein familiäres Umfeld gefunden habe.
