Angefangen hat alles mit THC (Cannabis), als ich 15 war. Damals bin ich von zu Hause ausgezogen und habe bei meinem damaligen Freund gewohnt, der ‚Kiffer‘ war. Ich habe dann direkt regelmäßig angefangen zu kiffen. Mittlerweile kann ich es nicht mehr riechen. Mit 20 Jahren habe ich in einer Lebenskrise mit dem Heroinkonsum angefangen und das auch direkt gespritzt (intravenös) konsumiert. Ich wollte mir damals das Leben nehmen. Das hat aber nicht ganz funktioniert und so bin ich darauf hängen geblieben. Ich kam nicht klar und wollte nur vergessen und nichts mehr fühlen. Ich bin dann sehr schnell, nach einem 1/2 Jahr, in eine Substitutionsbehandlung (Ersatzstoffvergabe) gegangen und hatte aber noch Beikonsum mit Benzodiazepinen. Ich habe mich über längere Zeit runterdosiert und mit 27 Jahren habe ich vom Substitut entzogen. Im Anschluss war ich dann 3 ½ Jahre clean, weil ich wieder Mama wurde. Ich komme ursprünglich aus Bayern und habe eine 20-jährige Tochter, einen 9-jährigen Sohn und eine 8-jährige Tochter. Meine beiden älteren Kinder lebten schon nicht mehr bei mir und nach der Geburt meiner jüngsten Tochter war ich 2 Jahre und 3 Monate in einer Mutter-Kind- Einrichtung in Wolfersdorf. Ich bin im Anschluss nach Jena gezogen, da ein Ortswechsel für mich eine Möglichkeit geboten hat, mich neu zu orientieren. Als mir meine jüngste Tochter weggenommen wurde, habe ich wieder mit dem Drogenkonsum angefangen und das war dann Crystal (Methamphetamin). Vor drei Jahren habe ich von einem Bekannten vom Kontaktcafé gehört, der mir erzählt hat, dass ich dort über meine Suchtprobleme sprechen kann. Ich wollte wieder eine Therapie beginnen, um für meine kleine Tochter kämpfen zu können. Ich habe vorher schon fünf Suchttherapien angefangen, die ich aber nie mehr als 12 Wochen durchhalten konnte.
Ich bin dann im Kontaktcafé einfach aufgeschlagen, mit meinem damaligen Lebensgefährten. Das war damals schon eher eine Art ‚Überfall‘, wir waren beide sehr sehr schnell, sehr sehr viel, denn wir haben beide ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung): „…hier, ich will Hilfe, hier bin ich und jetzt macht mal“ und wir sind direkt angenommen worden, so wie wir waren. Wir haben dann Beratungsgespräche im Kontaktcafé geführt und eine weitere Therapie beantragt undd irekt im Anschluss habe ich mit einer Nachsorge (zur Stabilisierung der Abstinenz) begonnen. Durch die kontinuierlichen Anbindung über das Kontaktcafé habe ich den Verein kennengelernt und bin seit März letzten Jahres im Verein ehrenamtlich tätig. Die Tagesstruktur durch das Ehrenamt, verbunden mit der daraus entstehenden Verpflichtung und auch die Verantwortung für meine Tochter und meinen Hund haben mir Halt geben. Ich habe mit kleinen Aufgaben im Kontaktcafé angefangen. Flyer falten, bei der Reinigung helfen und habe dann durch meine Erfahrungen aus meiner Kochausbildung in der Küche ausgeholfen. Seit Oktober vergangenen Jahres arbeite ich, an drei Tagen in der Woche, in der Begegnungsstätte in der Lehr– und Trainingsküche. Es macht mir sehr viel Spaß und hilft mir, eine Tagesstruktur für mich zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Jetzt bin ich seit einem Jahr clean.
Ich fühle mich hier angekommen und verstanden. Das war vorher nicht so in den anderen Einrichtungen oder Jobs, die ich hatte – ich bin schnell, ich bin laut und damit klarzukommen, ist eine Sache für sich, aber hier im Verein klappt das.
Der Umgang ist anders hier, die Leute sind verständnisvoller und man kann ohne sich zu schämen Sachen ansprechen. Bei den Mitarbeitern wird man angenommen und es ist echt selten, dass ich mich mal bei Menschen wohlfühle oder sie an mich ranlasse. Ich bin damals mit dem Vorurteil ins Kontaktcafé gekommen, dass man nur herkommt, um Leute kennenzulernen, um etwas (Drogen) kaufen zu können, aber das ist zum Glück hier nicht so. Ich wurde direkt von den Mitarbeitern angesprochen und offen aufgenommen. Mir ist es wichtig, dass man neutral und ohne Vorurteile auf andere zugeht, egal welche Probleme sie haben.
